Erst 2027 kommt das Mid-Cycle-Facelift – ich bezweifle ernsthaft, ob BMWs Reflexbogen diesmal nicht etwas gar zu lang ist?

Der Mercedes S-Klasse nebenan wird von den Elektroautos bereits derart vorgeführt, dass sie Anfang 2026 panisch ein großes Ding durchziehen will und dafür sogar bereit ist, die Hälfte des Designs über den Haufen zu werfen.

Im Gegensatz dazu lässt sich BMW bei der 7er-Reihe Zeit bis 2027, um gemächlich ein Kosmetikpaket auszupacken – kann man das denn fassen?

Da die Spionagefotos und Renderings nun einmal da sind, muss man nicht um den heißen Brei herumreden und sich zieren.

Die aktuelle G70-Generation der 7er-Reihe hat seit ihrer Geburt für ihr Gesicht reichlich Prügel eingesteckt. Aufgedunsen, bizarr und mit einem Hauch von unverständlicher Arroganz.

Die BMW-Bosse reden groß daher, aber ihr Handeln ist ehrlich – dieses Facelift ist ein offenes Eingeständnis, dass das aktuelle Design in die falsche Richtung lief.

Schauen wir zuerst auf die umstrittenste Nase. Das aktuelle Modell bekam für einen aufgesetzten Rolls-Royce-Dünkel eine vertikale Lamellengrill-Einfassung, was aber kläglich scheiterte – wie eine übergroße Schweineschnauze im Gesicht.

Nach dem Facelift sind die vertikalen Streben komplett weg, ersetzt durch schwarze horizontale Linien. Dieser Schnitt sitzt. Horizontale Linien verbreitern tatsächlich die optische Wirkung und lassen die Front niedriger erscheinen.

Aber habt ihr mal darüber nachgedacht: Ein vertikaler Grill war stets das Symbol von Würde und Repräsentation, ein horizontaler Grill ist üblicherweise die Standardausstattung von Sportlimousinen.

Eine D-Segment-Luxuslimousine wie einen übergroßen 3er oder einen plattgedrückten X6 dastehen zu lassen – ist das Evolution oder Degradierung? Diese ehrfurchtgebietende Präsenz eines Herrschers, der nicht zornig wirkt, könnte durch diese paar Querstreben flöten gehen.

Schauen wir uns die Augen an. Die geteilten Scheinwerfer bleiben, aber das obere Tagfahrlicht kneift noch schmaler zusammen, und der untere Hauptscheinwerfer ist sogar um die Hälfte geschrumpft.

Was geht in den Köpfen der Designer vor? Kleine Scheinwerfer bedeuten Tech-Feeling? Das ganze Gesicht wirkt tatsächlich böser, voller Aggressivität.

Aber die Frage ist: Brauchen die Chefs, die eine 7er kaufen, das Auto, um auf der Geraden Rennen zu fahren, oder um vor dem Bürogebäude Präsenz zu zeigen?

Der aktuelle Designtrend ist einfach nur absurd – eine über fünf Meter lange Repräsentationslimousine wird partout wie ein Bulldogge aussehen müssen, die jederzeit zum Beißen bereit ist.

Auch die Stoßstange: extrem komplexe Linien, Muskelmasse ist da, aber diese gelassene Eleganz dürfte wohl vollständig verloren gehen.

Die Fahrzeugseite wurde kaum verändert – das ist eine gute Nachricht. Schließlich sind die Seitenlinien der aktuellen 7er noch recht kompakt und bewahren die Massivität, die eine Flaggschiff-Limousine haben sollte.

Am Heck: Die zweifarbige Stoßstange in Schwarz-Silber klingt recht verspielt. Diese sportliche Behandlung passt gut zu M-Power-Modellen, aber bei einer normalen 7er wirkt sie irgendwie unstimmig.

Letztlich ist dieses Facelift nur eine übergangsweise Flick-und-Klebe-Lösung.

BMWs ganze Aufmerksamkeit gilt der neuen Neue-Klasse-Architektur; die aktuelle 7er ist bloß ein Opfer des Übergangs zwischen alt und neu.

Man will kein großes Geld für neue Formen ausgeben und kann es nicht ertragen, dass die Mercedes S-Klasse die Show stiehlt – also wird an Kunststoffteilen herumgeschnippelt und das Gesicht getauscht, um den Frische-Eindruck zu wahren.

Für die Brüder, die mit Bargeld in der Hand auf den Kauf warten, muss ich hier mal Klartext reden.

Wer das Rolls-Royce-artige Eitelkeitsgefühl des aktuellen Modells mag, sollte jetzt, wo die Rabatte groß sind, schnell zugreifen. Das aktuelle Modell ist zwar hässlich, aber wenigstens wiedererkennbar hässlich – hässlich wie eine wichtige Persönlichkeit.

Wer das aktuelle Modell zu fettig findet und auf das Facelift 2027 warten will, sollte sich seelisch vorbereiten. Die überarbeitete 7er könnte jünger und sportlicher werden, aber auch die Würde verlieren, die eine Flaggschiff-Limousine haben sollte.

Sobald die Würde verloren geht, wird die Grenze zwischen 7er und langem 5er zunehmend verschwimmen. Über eine Million für eine übergroße Sportlimousine auszugeben – diese Rechnung geht in keiner Weise auf.

Noch ein Punkt muss erwähnt werden: Das Facelift der Mercedes S-Klasse zielt auf Innenraum und Intelligenz ab – das sind echte, handfeste Upgrades.

Wenn BMW nur an der Außenhaut herumschraubt, innen weiterhin dieser Fingerabdruck-Sammler-Displayverbund bleibt und das Infotainment weiterhin dieses logisch verworrene System ist, dann ist dieser Kampf nicht zu gewinnen.

Auf dem heutigen Luxuswagenmarkt kann man mit dem Gesicht allein niemanden mehr täuschen. Das Geld der Chefs fällt auch nicht vom Himmel – wer die stärkere Produktleistung hat, überlebt.

2027 ist zu weit entfernt, die Variablen sind zu groß. Diese Aktion von BMW ist weniger eine Produktevolution als vielmehr ein Hinauszögern.